
Wow! Ich bin echt ziemlich begeistert! Mein erster Vortrag in Frankreich hat zu vielen neuen Einsichten in die SEO-Branche des Landes geführt, und das, obwohl ich schon seit gut fünf Jahren intensiv SEO in Frankreich und anderen französischsprachigen Ländern mache. Genaugenommen sind sogar 10% der Mitarbeiter der AKM3 französische Staatsbürger, aber hier vor Ort mit den richtigen Leuten zu sprechen ist doch noch mal etwas anderes, was die Breite und Tiefe von Informationen angeht. Einige der besten Gespräche hatte ich mit lokalen SEOs wie Francois Goube von Cogniteev (http://www.cogniteev.com/), Philippe Yonnet von Search Foresight (http://www.search-foresight.com/directeur-associe/), Matthieu Tournade von YakaMama (http://www.yakamama.com/) und Neil McCarthy von Goodness (http://www.goodness.fr/decouvrez-goodness/neil-mccarthy/). Vielen Dank noch mal dafür an die Kollegen!
Doch ich fange mal ganz von vorne an. Veranstalter des SEO Campus (http://seo-campus.org/) ist das SEO Camp (http://www.seo-camp.org/). Das ist ein Branchenverband, der aber thematisch nicht so super-breit wie der BVDW ist und auch nicht so von Agenturen dominiert wird. Stattdessen konnten jahrelang nur Individuen Mitglieder werden. Weiterer Unterschied zu Sempo ist, dass der Fokus wirklich allein auf SEO liegt, und selbst SEA als Thema ausgeschlossen ist. Das ist also eine wirkliche “Roots”-Bewegung hier. Für die Mitglieder des Verbands gibt es übers Jahr verteilt in allen möglichen Städten in Frankreich kostenlose lokale Veranstaltungen, die auch Nicht-Mitgliedern offenstehen. Wir hatten mal über eine davon in Angers berichtet, nachdem ein Kollege dort einen Vortrag gehalten hatte. Dieser Verband macht auch noch ganz andere Sachen, z.B. vergibt er ein SEO-Zertifikat für Individuen (mit einer Durchfallquote von 75% – sprich, das Ding ist wirklich nicht leicht zu bekommen und deshalb super-hoch angesehen in Frankreich).
Nun zum SEO Campus, der quasi die jährliche zentrale und große Konferenz des Verbands ist und eines der besten SEO-Event in Paris. Für Mitglieder des Verbands ist die Veranstaltung richtig günstig, und selbst für Nicht-Mitglieder kosten die zwei Tage voller Top-Speaker nur € 370,00 brutto – ein super Preis-Leistungs-Verhältnis. Da sieht man, was man mit einer Non-Profit-Organisation hinter einem Event Geiles anbieten kann. Natürlich findet das Event auch nicht in einem piefigen Hotel-Setup statt, sondern in einer schicken, relaxten Event-Location – so wie es sich für ein liebevoll gemachtes Event gehört.
In Bezug auf die Vorträge fanden die ganze Zeit drei Tracks parallel statt, wobei die Speaker die anerkanntesten SEOs in Frankreich sind. Wer kein Französisch sprach, schaute allerdings etwas in die Röhre. Es gab nämlich nur drei englischsprachige Vorträge, und zwar von Dixon Jones (http://www.omreport.de/folge-18-interview-mit-dixon-jones/), Aleyda Solis und meiner Wenigkeit. Inhaltlich ging es häufig sehr technisch zu: Auch die französischen SEO-Kollegen sind sehr aktive Toolbauer. Das hatte ich echt unterschätzt. Auch hier sprießen die Onpage-Tools nur so aus dem Boden.
Die Kombination von Daten aus der Analyse via Logfiles (was treibt der Googlebot so auf der Seite?) und eigenen Crawlerdaten aus Onpage-Tools ist hier wie bei uns ein heißes Thema. Was mich etwas gewundert hat, ist, dass immer noch recht viele Black-Hat-Themen großes Interesse finden. Und damit meine ich nicht „Oh mein Gott, ich habe jemanden für einen meiner Links mal einen geldwerten Vorteil verschafft“-Black-Hat, sondern „Vollautomatisierter Linkspam übelster Sorte und zugehörige Tools dazu“-Black-Hat. Crazy.
Eine coole Sache war außerdem, dass es in einem Raum „SEO Clinics“ gab. Aber nicht so, wie man es aus deutschen/amerikanischen Konferenzen kennt, dass also eine Seite öffentlich analysiert/zerlegt wird. Stattdessen gab es sechs Leute, die die Besucher kostenlos, individuell und ohne dass andere zuhören konnten, beraten haben. In einem bestimmten Zeitslot konnte man sich sogar an Google Mitarbeiter wenden, die vor Ort waren. Da gab es auch keinen Zank oder Lose, um reinzukommen, sondern man musste sich einfach nur anstellen.
Ein anderer lustiger Unterschied gerade zu deutschen Konferenzen: Networking fand schon während des Tages viel statt. Abends gab es demzufolge keine wilde Party, die Leute schienen auch keinen Bedarf danach zu haben. Nach einem Besuch im Restaurant waren spätestens um Mitternacht alle in der Koje. Die Besucher des SEO Campus nehmen die Veranstaltung schon sehr ernst und sehen sie als Weiterbildung. Anderseits: Zum Mittagessen gab es an beiden Tagen ganz selbstverständlich Wein! Hey! Vive la France!
I like! Wir kommen wieder!